• Risse können durch Unfälle entstehen, jedoch sind auch Luftrisse häufig. Holz ist ein lebendiges Material und deshalb in Grunde instabil. Auch wenn das Holz über Jahrhunderte getrocknet ist, können Risse entstehen, wenn die Luftfeuchtigkeit schwankt oder Spannungen im Instrument entstanden sind. Neu entstandene Risse sollten so schnell als möglich geleimt werden, damit kein Schmutz die Leimung erschwert und damit sie nicht weiter aufgehen. Vor allem im Bereich des Stimmstocks, des Bassbalkens und des Halsstockes am Boden kann die Statik des Instruments durch Risse gefährlich geschwächt werden.

  • Die Deckenstärke einer Geige beträgt ca. drei Millimeter, die eines Cellos bis zu fünf. Durch den enormen Druck der Saiten kann mit der Zeit eine Deformation der Decke entstehen. Wird diese zu stark, muss sie aus klanglichen sowie Stabilitätsgründen behoben werden. Dazu wird mindestens eine Gibsform der Wölbung gemacht, welche so bearbeitet wird, dass sie soweit möglich die ursprüngliche Wölbung spiegelt. Diese neue Gegenform dient dazu, die Decke mit warmen Sandsäcken wieder in die richtige Form zu biegen. Danach wird sie meistens durch Futter oder Belege stabilisiert. Diese Restauration kann aufwändig sein und muss mit viel Bedacht und genügend Zeitfaufwand ausgeführt werden, da das Holz sich nur langsam biegen lässt, um dauerhaft zu halten.

  • Das üblichste Futter ist ein Stimmfutter, welches die Region um den Stimmstock stützt, wenn dort Beschädigungen wie Risse, Deformationen oder sogar Löcher entstanden sind. Dabei wird mittels Hohleisen und Ziehklingen ein eiförmiges Loch von innen in die Rissregion gestochen, welches mit neuem, stabilem Material ausgefüllt wird. Dieses muss so genau passen, dass kein Hohlraum entsteht. Mithilfe von Kreide kann gemessen werden, ob das neue Stück die richtige Passform aufweist. Erst nachdem es mit Hautleim verleimt wurde, wird die ursprüngliche Stärke wiederhergestellt, sodass klanglich keine Veränderung festzustellen sein sollte.
    Auch an anderen Stellen können Futter notwendig sein, zum Beispiel am Zäpfchen, bei Wurmgängen oder wenn grosse Teile des Instruments zu dünn und instabil sind, was am ehesten im Brustbereich vorkommen kann. Hier wird versucht, mit sowenig Verlust an Originalmaterial wie möglich die Stabilität wiederherzustellen.

  • Wurmbefall ist ein häufiges Schadbild eines alten Instruments. Oft ist nur ein Ausflugloch des geschlüpften Käfers zu sehen, der jedoch bis zu vier Jahren im Holz als Larve gelebt und gefressen hat. Mittels CT Scan kann der Befall gründlich analysiert werden. Die  Wurmänge müssen an statisch wichtigen Stellen komplett ausgefüllt und mit Futtern gestützt werden. Dies ist eine meist aufwändige und langwierige Aufgabe, vor allem, wenn der Befall bis zum Lack geht und die Fütterungen von aussen sichtbar sind. Hier verwende ich oft Späne vom Originalholz als erste Schicht.

  • Ein häufige vorkommende Arbeit ist das Ersetzen von Ecken, vor allem der Decke, wo durch Schläge oder Bogenberührungen das Holz beschädigt wurde. Man versucht, dies zu restaurieren, bevor die Einlage beschädigt wurde.
    Wenn das Instrument einige Male geöffnet wurde, kann der Rand so zersplittert sein, dass er von unten ganz oder teilweise doubliert werden muss. Hierzu wird möglichst viel Originalholz erhalten, jedoch eine plane, gleichmässig dicke Randstärke gehobelt, welche mit neuem, gut gelagerten und möglichst passendem Holz doubliert wird.

  • Klanglich ist der Bassbalken äusserst entscheidend und wird deshalb oft ersetzt. Hier hilft Erfahrung und Routine, um entscheiden zu können, welche Holzwahl, Positionierung, Spannung bei der Leimung und Masse bei der Ausarbeitung dem Instrument entsprechen und was die klanglichen Auswirkungen sein können.
    Manchmal muss der Balken ersetzt werden, weil ein Riss in diesem Bereich der Decke entstand. Dies ist statisch sowie klanglich sehr schädlich und muss umgehend restauriert werden.

  • Durch das ständige Stimmen werden die Wirbel, die nur durch Reibung in den Wirbellöchern halten, das Holz des Wirbelkastens langsam abnützen, sodass die Löcher zunehmend grösser werden. Anfangs werden dickere Wirbel eingepasst, jedoch ist es irgendwann unumgänglich, die Löcher auszusetzen. Da dies meist mit Buchsbaumholz geschieht nennt man diese Reparatur „Ausbuchsen“.

  • Beinahe alle antiken Instrumente, die älter als 200 jährig sind besitzen einen neuen Hals, denn die Bauweise hat sich mit der Zeit stark verändert. Manchmal muss ein Hals ersetzt werden, weil die Mensuren nicht stimmen, oder weil der Hals durch einen Unfall beschädigt wurde. Dabei wird die Schnecke erhalten, und die Leimung erfolgt schwalbenschwanzförmig, um die grösstmögliche Leimfläche zu erzeugen. Der Hals wird danach neu gesetzt und nach den Bedürfnissen des Spielers und klanglich optimal verarbeitet. Die Holzwahl steht dabei, wie auch bei anderen Restaurationen im Zentrum, denn der Anschäfter sollte möglichst zum Originalholz passen, klanglich optimal schwingen und dabei lange gelagert sein, um zu verhindern, dass sich der Halswinkel später verändert. Deshalb habe ich ein grosses Lager an Halsstöcken, um das ideale Stück einsetzen zu können.

  • Dieser Schritt, welcher am Schluss jeder Restauration steht, liegt mir besonders am Herzen. Neu eingesetzte Stücke, Risse oder abgenutzte  Stellen, z.B. die Handstelle, werden mit Farbe und Lack so aufgefüllt, dass sie unter Tageslicht möglichst unsichtbar werden. Meiner Meinung nach sollen sie jedoch unter Ultraviolettlampen sichtbar bleiben, damit Eingriffe später durch einen Fachmann nachvollzogen werden können.
    Ich habe mich, zusammen mit Kollegen ausführlichst dem Thema Retouchierlack gewidmet und stelle ihn nun mit einem speziellen Verfahren selber her, damit er die erwünschten Eigenschaften sowohl beim Einsatz mit dem Pinsel wie auch der Airbrushpistole aufweist. Ein weiteres Verfahren, welches wir verfolgen ist die Micro Friction Technik, welche sehr präzise Verschmutzungen und Überlackierungen entfernen kann, ohne den Originallack zu  beschädigen.

  • Jedes Detail im System eines Instruments schwingt mit und hat somit einen Einfluss auf den Klang. Viel Erfahrung und die Einsicht in verschiedene Werkweisen haben es mir ermöglicht, abschätzen zu können, was bei welchem Eingriff passieren wird. Und dennoch, es bleibt oft ein Rätsel, warum die Geige so reagiert, wenn eine andere beim selben Eingriff anders klang. Es bleibt eine Reise und genau dies macht diese Arbeit aus, man wird überrascht oder bestätigt und mithilfe von guten Musikern kommt man immer weiter. Ein gutes Gehör ist unerlässlich, das Geschick, einen klingenden Steg zu schneiden, das Gespür für die Bedürfnisse eines Instruments, Geduld, die Ursache eines Schepperns zu suchen, und das Glück, den Klang eines Instruments zu finden.